tranulökarnas kennel för kleine münsterländer

Leistungsnachweis „E“ oder Ostern in Schweden!

 

Für gewöhnlich haben wir hier oben im Norden zu Ostern Winterwetter – den so genannten „Vårvinter“ (Frühlingswinter) mit meterhohem Schnee, viel Sonne und länger werdenden Tagen. Bei einem so späten Osterfest wie in diesem Jahr hingegen kommen wir in den seltenen Genuß Goethes „Osterspaziergang“ hautnah nachfühlen zu können. Die Landschaft ist einfarbig in Brauntöne gehüllt, letzte Schneeflecken zeugen von der eben erst vergangenen kalten Zeit und vom Eise befreit sind Strom und Bäche, noch nicht aber die Seen. Tagsüber wärmt die klare Sonne sommerlich, nachts hingegen sorgt der wolkenlose Himmel für Frostnächte, die nun schon nicht mehr ganz dunkel werden.

In dieser herrlichen Frühlingsstimmung unternahmen wir einen ausgiebigen Karfreitagswaldspaziergang: Herrchen, ich(Frauchen) und unsere treue Gefährtin Nele vom Wolfsbau, die uns wie immer hellwach mit ihrer Superspürnase alles anzeigte, was sich im Revier so herumdrückte. Dabei läuft die brave Hündin in der Regel höchstens 10 m voraus und macht uns dabei durch eine Gangart mit gelangweiltem Hin- und Herdrehen des Hinterteils klar, dass wir ihr viel zu langsam gehen, sie ja viel schneller könnte und dies nur nicht tut, weil sie weiß, dass wir es nicht mögen und vielleicht sogar trillern würden.

Aus dieser harmonischen Spaziergangidylle riss uns plötzlich ein Elch, der direkt vor uns hochging und ehe wir ihn richtig gesehen hatten,  hinter der nächsten Kurve verschwand. Nele, die er fast umgerannt hätte, sofort hinterher und bevor ich die Pfeife auf Triller drehen konnte, war auch sie hinter der Ecke verschwunden. Ok, da hilft kein Hinterherpfeifen, sie kommt ja gewöhnlich nach ein paar Sekunden zurück. Nach wenigen Metern konnten wir die gigantische Schuhgröße des Elches bestaunen und wussten, dass Nele trotz ihres guten Trainingszustandes bei der Schrittlänge nicht lange mithielt. Aber wo war sie? Sie musste längst wieder da sein. Meine eigenen Schritte wurden jetzt schneller und hektischer. Es gab keine Gefahren von Straßen oder ähnlichem, nur die Gefahr des Elches selbst, der einem unerfahrenen Hund schon sehr wehtun kann.

Als wir nun auch hinter der Wegbiegung waren, hörten wir plötzlich Neles unverkennbare, eher rüdische Stimme. Sie verbellte in dem ihr eigenen tiefen Baß unaufhörlich und wir konnten uns keinen Reim daraus machen. Herrchen schlug vor: „Pfeif doch mal“, ich aber wollte jetzt wissen, was hier los war und folgte weiter dem nicht nachlassenden Bellen. Nach weiteren zweihundert Metern sahen wir das Unglaubliche. Auf einer kleinen Halbinsel inmitten unseres noch teilweise zugefrorenen Waldsees stand der riesige Elch, gestellt und verbellt von unserer – gegen ihn winzig aussehenden – Hündin. Auf meinen Pfiff, kam Nele förmlich heran geflogen und die Zeit, die es dauerte durch treibende Eisschollen zu uns herüber zu schwimmen, schauten wir dem Elch nach, der sich natürlich sofort in entgegengesetzter Richtung aus dem Staub machte.

Aber, was war das? Der Elch lief merkwürdig und bei genauerem Hinsehen konnte man deutlich erkennen, dass er verletzt war. Er bewegte sich auf drei Läufen, der vierte war –meiner Meinung nach - in der Mitte durchgebrochen. Was für ein trauriger Anblick und die Erklärung dafür, dass unser Hund überhaupt in der Lage war, ihn einzuholen. Bis zu diesem Moment war ich noch ärgerlich auf Nele, die gefälligst die Elche in der Schonzeit in Ruhe lassen soll und natürlich vor allem auf mich, die ich ihr Treiben nicht verhindern konnte. Aber noch bevor sie bei mir war, wurde mir klar, welch gute Tat sie gerade vollbracht hatte. Sie hatte den kranken Elch gestellt, wie es kein Elchhund hätte besser machen können und so lange verbellt, bis wir dicht bei ihr waren und somit das kranke Tier überhaupt als solches erkennen konnten. Wären wir auf der Jagd gewesen, hätten wir alle Zeit der Welt gehabt, den Elch zu erlösen. Wir waren aber nur unbewaffnete Spaziergänger. Was nun?

Wir befanden uns zwar in unserem Jagdgebiet, aber Wilderei und Schonzeitvergehen werden in Schweden fast härter geahndet als zwischenmenschliche Tötungsdelikte. Wir taten das, wie sich später herausstellte, einzig Richtige: wir riefen die Polizei an. Nach hundertfachem Hin- und Herkoppelns zwischen Stockholm und unserer Provinzpolizei, erfuhren wir, dass die diensthabende Polizistin auch nicht weiter wusste, aber zurückrufen würde. Schon kurz darauf überschlugen sich die Anrufe und innerhalb einer Dreiviertelstunde waren Polizei und ein offizieller Nachsuchenführer vor Ort und das am Feiertag!

Nachdem wir den Nachsuchenführer mit seinem vierbeinigen Elchspezialisten und einem zweiten Jäger auf die Spur gesetzt hatten, erzählten uns die Polizisten, dass es vor zwei Tagen in etwa 5 km Entfernung einen Autounfall mit einem Elch gegeben hatte, bei dem der Elch weggelaufen war und die Nachsuche erfolglos abgebrochen worden war. Die Jäger hatten eher auf Wölfe getippt, was wir wiederum nicht hofften, denn die Hysterie gegen Isegrim ist groß genug und wird durch solche Geschichten natürlich geschürt.

So lauschten wir im Garten auf den erlösenden Knall und es dauerte ganze 5 Stunden bis wir Hundegebell hörten – das untrügliche Zeichen, dass der Elchhund am –hoffentlich richtigen- Stück war. Den Schuß haben wir dann irgendwie verpasst, aber als die drei erschöpften Jäger kurze Zeit später auftauchten, sahen wir an den Gesichtern, dass die Mission erfolgreich war. Sie riefen mir schon entgegen: “Du hattest recht – der linke Hinterlauf war am Knie vollkommen durchgebrochen – ganz sicher ein Autounfall“.

Nach einem Wasser für den Hund und Bier für die Jäger, konnten wir alle beruhigt in das Osterwochenende starten.

Daß unsere Hündin den Elch gestellt und damit seine Leidenszeit beendet hat, haben wir natürlich nicht erzählt, da es mir immer noch unangenehm war, dass sie mir aus der Hand geraten war. Die stille Heldin wurde also heimlich gefeiert und wird wohl am Ostertag jede Menge Hundeostereier erschnüffeln, so sie nicht den Hasen beim Verteilen erwischt, stellt und durch Verbellen so einschüchtert, dass er das Ostereierlegen vergisst....