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VBr mit Auerhahn?

 

Neles Herrchen kam heute ziemlich frustriert, um nicht zu sagen stinkesauer, von der Hahnenjagd nach Hause. Das ist die Jagd bei der der Jäger in der Winterlandschaft völlig in weiße Kleider gehüllt, die in den obersten Spitzen der Nadelbäume sitzenden Auer- oder Birkhähne anpirscht und hofft, bis Schussentfernung von den sehr aufmerksamen Hähnen unbemerkt zu bleiben oder das Glück zu haben, dass sie zwar äugen, aber dennoch verharren. Die besten Reviere für diese Jagd befinden sich in einer etwas höher gelegenen, unberührten Moorlandschaft mit deutlich mehr Schnee als es im tiefer gelegenen Hausrevier der Fall ist. 

Eine dunkle Braunschimmelhündin wäre bei dieser Jagd wie ein Schneehase, der vergessen hat sich rechtzeitig zu verfärben und würde den Jagderfolg massiv gefährden. Also gehen wir Mädels meistens unsere eigenen Skitouren durch den nicht ganz so tiefen Schnee, mal mit Waffe, mal ohne und sehen das entdeckt werden nicht so eng wie Herrchen, der ja schließlich für die Nahrungsbeschaffung in der Familie hauptzuständig ist.

Wir waren also auch gerade aus dem Schnee heimgekommen und versuchten nun Herrchen so gut es ging zu trösten. Er war völlig durchnässt, Waffe, Schuhe, Ski - alles war eingefroren und er schimpfte: "Vier Stunden Tiefschneestapfen durch härtestes Gelände, dann endlich die einzige Gelegenheit des Tages... - die Waffe schmeiß ich weg". Die Waffe hatte gerade einen Tag vorher das supertolle Zeiss-Zielfernrohr meiner Büchse bekommen und war somit tiptop und frisch eingeschossen. "Genau auf die Entfernung habe ich eingeschossen - habe eine Stunde lang nachgesucht, dann fing es an zu dämmern und ich hatte es noch so weit bis zum Auto, so ein Mist - der arme Hahn, überall waren Federn, aber nix zu finden". Es dämmerte immer noch und ich sagte: "Lass uns hinfahren und mit Nele suchen - den finden wir". Der arme Kerl war aber völlig erschöpft, wollte nie wieder dort hin und brauchte sichtlich erst einmal etwas Pflege.

Also beschlossen wir: 1. Duschen, 2. Essen, 3. Kaffee und dann, wenn der Mond so richtig am höchsten steht, schlagen wir zu. Wenn bei uns im Norden der Vollmond auf die weiße Landschaft scheint, dann ist es taghell und wir nutzen ohnehin dieses traumhafte Licht jede Vollmondnacht für eine weitere Skirunde, denn die Winterabende sind lang.

Gesagt getan, es gab kurioserweise Auerhahnsteaks und wir aßen uns viel Kraft an, da die Nacht anstrengend zu werden schien. Beim Essen fragte doch Herrchen ernsthaft: "Was macht die Nele wohl, wenn sie ihn wirklich finden sollte?" Ich antwortete überzeugt: "Na, apportieren, was denn sonst?" Die Frage war aber nicht so unberechtigt, denn es handelte sich um einen sehr steilen Abhang mit einer Kieferndickung und das Ganze mit metertiefem Schnee, sowohl am Boden als auch auf den jungen, eng stehenden Bäumen. Eigentlich fast unzugänglich für Mensch und Hund. Hinzu kommt, dass ein ausgewachsener Auerhahn schon eine Herausforderung darstellt und nicht jeder Vertreter unserer dann doch zierlichen Rasse schafft die zwischen 4 und 5 Kilogramm wiegenden unhandlichen Burschen. Ich dachte, wie toll es doch war, daß ich die ganze Feiertagszeit über jeden Tag mit Nele Auerhahnschleppen geübt hatte. Habe alle Kritiken überhört, die da lauteten: "Ich will nicht, daß die Hähne zum Hundetraining genommen werden". Ich wusste: beim Auerhahn kommen die Hundezähne nicht mal durchs Gefieder durch - es war am Fleisch nicht ein Abdruck zu sehen, also benutzte ich die Jungs weiter. Fazit des Apportiertrainings: Im Flachland mit wenig Schnee schafft die Hündin den großen Hahn spielend. Aber dort oben in den Bergen mit dem vielen Schnee...?

Die Skier wurden verladen und los ging die etwa 15 Minuten dauernde Autofahrt.

Wir mußten von der Hauptstraße aus direkt auf einem Forstweg losstapfen, denn er ist nicht vom Schnee geräumt. So war der erste Teil des Weges - ca. 4km unspektakulär, aber wunderschön. Der Mond erhellte die Landschaft in dem ihm eigenen mystischen Glitzerlicht, es war total still und etwa 14 Grad kalt. Nele kennt ja unsere Mondscheintouren und genoss den nächtlichen Ausflug sehr. Dann ging es vom Weg ab. Wir folgten Herrchens Rückskispur. Er war aber bergab gefahren. Die Spur bergauf war schon recht sportlich und noch dazu ging es meist durch dichtestes Unterholz. Nele, die mir jetzt vorgespannt war, half etwas, da sie ihren ungestümen Vorwärtsdrang nun in Zugenergie umwandelte. Dauernd hakte der Ski unter die vom schweren Schnee am Boden liegenden Büsche und Bäumchen, aber irgendwie ging es voran über schwer passierbare, steile Einschnitte von Bächen und immer hinauf zu der großen Kiefer auf der der Auerhahn gesessen hatte. Bald sahen wir den Baum von weit unten und nun hatte man das Ziel vor Augen, also weiter voran. Herrchen vorneweg, danach das Gespann der Mädels. Nele hatte manchmal arge Schwierigkeiten. Wenn sie sozusagen "aufliegt", dann fängt sie mit schwimmähnlichen Bewegungen an, was dann den Eindruck einer in der Luft hängenden Schildkröte vermittelt. So strampelt sie sich immer wieder frei und stapft dann unbeirrt weiter. Der richtig tiefe, grundlose Schnee über lange Zeit ist sicherlich nicht zuträglich für Hunderücken und -gelenke, deshalb wird die Hahnenjagd auch ohne Hunde betrieben. Der heutige Nachttrip war eine Ausnahme und da galt: Zähne zusammenbeißen und durchkommen. Wir kamen alle durch und standen plötzlich am Fuße der knorrigen Kiefer.

Da es unmöglich war, mit dem Hund zusammen auch nur wenige Quadratmeter zu durchstreifen und wir ja auch keinen Anhaltspunkt hatten, wo zu suchen war, nahm ich ihr das Geschirr ab und schickte sie mit: "Such verloren" planlos in die helle Nacht. Ich hatte mir vorgenommen, sie arbeiten zu lassen, ohne sie zu stören und damit nur zu irritieren. Nele nahm erst einmal eine von Herrchens Skispuren an und verschwand. Er, immer noch nicht recht vertrauend, sagte nur: "Jetzt rennt sie alle meine Spuren aus", ich erwiderte: "Lass sie doch, sie muß sich hier erst mal mit der Umgebung anwärmen". Sie war weg. Lange weg. Wir warteten. Und warteten. Es dauerte vielleicht fünf Minuten - ja die erscheinen lang in einer Mondnacht bei 14 Grad minus - da hörten wir etwas aus der entgegen gesetzten Richtung. Es kam näher, aber sehr langsam. Es kam genau aus der Richtung, in der ein Mensch nicht nachsuchen konnte, der Hahn aber wahrscheinlich liegen musste, so er überhaupt irgendwo liegt. Es war die Richtung mit der steilen Kieferndickung, völlig im Schnee versunken und fast unzugänglich. Wir gingen wenige Meter dem Geräusch entgegen, da brach ein Freudenschrei aus Herrchen heraus. Er hatte Nele als erster entdeckt und nun sahen wir, warum sie so träge unterwegs war. Sie schleppte den schweren Auerhahn bergauf heran und versank selbst unter dem zusätzlichen Gewicht mit jedem Schritt unter dem Schnee. Als sie vor uns saß, hätten wir beide heulen können vor Glück, wenn bei Herrchen nicht sogar eine Träne gekullert ist...

Es war ein erhebender Moment: nach den Strapazen des Tages und der Nacht, sitzt unsere treue, starke Nele vor uns und hält fest den Hahn im Fang.

Nach dem ordentlichen Ausgeben und großen Lobeshymnen wollte sie gar nicht so viel von uns wissen, sondern empfahl sich sogleich, um nachzuschauen, ob da noch mehr Hähne herumliegen. Wir konnten es ihr nicht ausreden und überließen sie ihrem Tatendrang, derweil wir den Hahn versorgten und verstauten. Die Obduktion ergab: Tod durch Herztreffer. Meistens purzeln die Hähne regelrecht vom Baum und man findet sie leicht, es kann aber auch - sogar bei guten Treffern - vorkommen, daß sie noch die Schwingen ausbreiten und absegeln und das schon mal mehrere Hundertmeter weit, das macht das Finden dann zumindest für den nasenschwachen Menschen fast unmöglich. Wir sind ja in der luxuriösen Situation, die beste Nase der Welt in der Familie zu haben. Danke Wolfsbau und Münsterland!! 

Der Weg zurück war rasant. Runter heißt ja im engen Unterholz nicht unbedingt leichter als hoch. Wir kamen alle drei wohlbehalten auf dem Forstweg an und genossen die verbleibenden vier Rückkilometer in vollen Zügen.

Zu Hause angekommen verliehen wir unserer tollen Nele die Verlorenbringermedaille erneut – diese VBr-Arbeit war um vieles schwieriger als die eigentliche und wir waren alle sehr stolz.