kleiner muensterländer orsa tallhed

KlM-tidning 6/2016:

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet…“

Festgefahren, wer kennt das nicht? Wen ruft man um Hilfe und wer kommt?

Auch mit unseren Hunden gibt es scheinbar ausweglose, festgefahrene Situationen. Was dann, wenn der Mut auf dem Nullpunkt ist? Wohl dem, der einen Züchter ausgewählt hat, der sich einsetzt, hilft und zu einem steht.

Die junge Nele wurde am Morgen ihrer HZP läufig. Zu spät um umzuorganisieren. Sie verwirrte die Rüden und die Rüden verwirrten sie. Hundegerüche waren wichtiger als die schon aufgenommene Ente. Sie schmiss die Ente weg und war raus. Völlig zu Recht, aber schade, denn sie konnte es natürlich besser. Auf kurze Ratlosigkeit folgte Kampfesmut und jetzt in dieser schwierigen Situation – 2000 km von zu Hause entfernt – zeigte sich, dass die Wahl des Zwingers wichtig und richtig war. Nach einer Woche intensiver Nachschulung beim erfahrenen Züchter und der gleichzeitigen mentalen und leiblichen Stärkung der Führerin durch seine Frau, wurde der gleiche Hund souverän Suchensieger und die Schlappe, deren Grund sicher in erster Linie bei mir lag, war vergessen.

Jahre später nun ist ihre Tochter am Start. Jugendsuche prima, aber dann schlich sich ein Wurm ein, über den ich schon berichtete. Verfolgt von jeder Menge Suchenpech, waren wir in Sachen Prüfungen festgefahren und  frustriert, denn auf der Jagd und im Training präsentierte sich zu 100% ein völlig anderer Hund als es seine Zeugnisse aussagten.

Diesmal war mein Kampfesmut fast erloschen, Resignation machte sich breit, als sich wieder einmal eine helfende Hand ausstreckte und sich anbot, mich aus diesem steinigen Weg hinauszuführen. Diesmal war es der Züchter und Besitzer des Deckrüden und in meiner Rührung über den Vorschlag, dass er meine Hündin 1500 km entfernt abholen würde, um sie auf der Meisterprüfung zu führen, konnte ich nicht anders als die Ärmel hochkrempeln, Fuchshindernisse  bauen und über 1 Jahr hinweg wöchentliche Schweißfährten spritzen.

Um selbst souveräner zu werden und den Hund sicherer führen zu können, bildete ich mich weiter und verfüge heute als Bonus aus dieser Zeit über eine ganz andere Herangehensweise im Umgang und Training mit meinen Hunden. Davon profitiere ich, Hunde, die bei uns üben und natürlich vor allem meine eigenen Hunde.

Ich bin fest davon überzeugt, dass alles, was einem im Leben widerfährt einen Sinn hat. Meine Prüfungsdesaster haben mich enorm weiter gebracht. Fachlich, was die Hundeerziehung angeht, aber vor allem menschlich. Erleben zu dürfen, wie sehr sich andere Hundeleute für mich und meine Hunde einsetzten, rührte mich zutiefst und schenkte mir das Wertvollste: neue, echte Freundschaften.

Aus diesen Erfahrungen habe ich gelernt, dass es nicht nur die Abstammung eines Hundes ist, die ihn als Welpen oder Deckrüden interessant macht, sondern, dass es ebenso wichtig ist, welcher Züchter oder Deckrüdenbesitzer dahinter steckt. Ist er engagiert? Hilft er, wenn man im Regen steht oder ist der Deal mit der Welpenabgabe oder dem Deckakt zu Ende?

Meine steinigen Wege führten durch kompetente Hilfe und den unerschütterlichen Glauben an meine Hunde letztendlich zum Erfolg und dafür möchte ich im Falle meiner Nele dem „Wolfsbau“ danken, im Falle von Antonia der „Wolfskammer“ und in meinem Fall Kathleen Lange von Tiertraining ABC.

Als Schlusswort passt eine Zeile aus Faust ll, welche mich auf meinem Weg mit Antonia bei Laune hielt: „Wer’s Recht hat und Geduld für den kommt auch die Zeit“. Damit ist mein Artikel über Freundschaft eingerahmt von Zitaten der zwei großen deutschen Klassiker, die auch eine solche verband.

Zum Jahresende wird so mancher sentimental und das ist auch gut, denn es ist die Gelegenheit, sich in der sonst so hektischen Zeit an die wichtigen Dinge zu erinnern und sich zu fragen: wer sind die lieben Geister, die mich tragen?

Allen Münsterländerfreunden wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest!

                                                                                            Anke Meyer

   

KlM-tidning 1/2016:

Schwedische Winterimpressionen

Schon im viel zu warmen Herbst fiel uns an unseren erlegten Rehen eine ungewöhnlich dicke Feistschicht auf, die darauf schließen ließ, dass ein strenger Winter vor der Tür stand. Und tatsächlich zogen die Temperaturen im Dezember endlich an und das Quecksilber pendelte sich auf völlig normale minus 25°C ein.

Anfang Januar kam dann die Antwort auf die Speckschicht der Rehe: wochenlang Temperaturen um die minus 30, nachts oft darunter. Auch das ist nicht ungewöhnlich im subarktischen Trockenklima. In den 19 Jahren, die wir hier oben leben hatten wir fast in jedem Winter Phasen mit bis zu minus 39°C. Ungewöhnlich war in diesem Jahr, dass die Luft bei diesem Extremfrost nicht trocken, sondern feucht war. Trockene Kälte verträgt man recht gut, sie ist sogar angenehmer als feuchte Luft bei minus 20°C. In diesem Winter hatten wir zum ersten Mal feuchte Luft bei minus 32°C und sogar die Wetterberichte warnten vor „gefühlten minus 42°C“.

In dieser eiskalten Wetterphase waren wir mit den Hunden auf Skiern unterwegs, als eine der beiden Hündinnen plötzlich fehlte. Sie ist manchmal kurz außer Sicht, ein kurzer Pfiff ruft sie wieder heran, zumindest zeigt sie sich kurz und darf dann wieder verschwinden. Diese Freiheiten hat sie, weil sie nicht mehr wegläuft und weiß, dass Elche oder Rehe im tiefen Schnee zu verfolgen zwecklos ist.

Dieses Mal kam sie nicht zum „zeigen“, sondern blieb verschwunden. Alle Pfiffe verhallten ohne Erfolg, wir gingen erst einmal weiter. Plötzlich kam eine wilde Hatz auf uns zu und verschwand ebenso schnell wieder im Dickicht. Für einen kurzen Moment konnten wir mehrere „Hunde“ ausmachen und auch unterschiedliche Laute hören. Hunde konnten es nicht sein – mir war sofort klar, dass die Hündin es mit Wölfen zu tun hatte.

Die Rehe hatten ihre Speckschicht, wir unseren warmen Bollerofen, die Wölfe litten bei diesen Bedingungen Not und wurden deswegen scheinbar ungewöhnlich frech.

Die ältere Hündin, die bis dahin noch bei uns war, schickte sich an, sich der Hatz anzuschließen und auch wenn ich kurz überlegte, ob ich nicht wenigstens einen Hund in Sicherheit, also bei uns halten sollte, verwarf ich diesen Gedanken in Hinblick auf die Selbstverständlichkeit, dass die Mutter ihrer Tochter zu Hilfe eilen möchte und wie ich finde auch sollte – egal wie das Ganze ausgeht.

Wir verfolgten nun unsererseits die im Schnee gut erkennbare Spur, hatten aber natürlich keine Chance näher zu kommen. Aus Leibeskräften riefen wir und machten Lärm, um vielleicht die menschenscheuen Wölfe aus der Ferne zu beeindrucken. Die Furcht lief mit, dass irgendwann der erste Schweißtropfen im Schnee sichtbar werden könnte. Welche Angst man in solchen Momenten empfindet, weiß jeder Jagdhundebesitzer – die Ungewissheit war unerträglich und dann endlich Neles tiefer Bass, den sie gewöhnlich als Standlaut zum Besten gibt. Fest und bestimmt forderte sie einen Pfiff ein, um sich zu orientieren. Den bekam sie natürlich postwendend und wenige Sekunden später war sie bei mir. Ein Dank zum Himmel, aber wo war die Kleine? Nach einer gefühlten Ewigkeit kam sie völlig ausgepumpt heran und war zum Glück auch unverletzt. Von ihr weiß ich, dass sie ungewöhnlich schnell ist, auch im hohen Schnee, aber wie es sich nun tatsächlich zugetragen hat, wissen nur die Beiden. Anzunehmen ist, dass Neles Erscheinen, also die Gegenwart zweier Hunde, den vielleicht einsamen Wolf zum Rückzug bewogen hat. Mit Mama im Rücken traue ich der Kleinen zu, dass sie ihn daraufhin noch ein paar Meter verfolgt hat und deswegen später zurückkam. Wie auch immer es war, alle waren wohlbehalten zurück und das zählte. Die nächsten Tage wollte ich die Hunde kürzer halten, aber das war nicht nötig. Auch der jüngere Wirbelwind blieb an meinen Ski-Enden kleben und entfernte sich nicht mehr außer Sicht.

Die Temperaturen hielten an, die Welpen unseres B-Wurfes wurden 5 Wochen alt und lernten trotz klirrender Kälte, ihre Geschäftchen draußen zu verrichten.

Das machten sie beeindruckend und nach kürzester Zeit meldeten sie sich schon, wenn es an der Zeit war, kurz nach draußen zu verschwinden. Aber woran muss man nicht alles denken. Wir hatten immer noch diesen gemeinen feuchten Extremfrost, der überall hinein kroch, Wasserleitungen einfrieren ließ, die in 19 Jahren nie eingefroren waren.

Die Welpen waren wieder einmal auf der Terrasse, es hatte geschneit und die Kleinen nippten überall fröhlich am frischen Schnee. Die Terrassentür stand einen Spalt geöffnet und plötzlich ein durchdringender Schrei. Ich sah einen der Welpen, der sich mit aller Kraft zu befreien versuchte, aber seine Zunge, die nun aussah, wie die eines Frosches, wenn er mit voll ausgefahrener Länge Mücken fängt, war an der äußeren Metallschwelle der Tür festgefroren. Ohne nachzudenken sprang ich dazu, machte mit der Hand eine Scherbewegung unter der Zunge und der Welpe war frei. An der Schwelle klebte nichts, auch kein Blut, was die Hoffnung nährte, dass alles dort war, wo es hingehörte und tatsächlich jammerte er nicht, sondern begann munter weiter alles zu beknabbern, was ihm in den Weg kam. Schnell legte ich eine Decke über die Schwelle, was aber die Welpen nicht davon abhielt, sie wegzuziehen und dann doch wieder die Gefahr freizulegen, also blieb die Terrassentür bis auf weiteres geschlossen und wir nahmen von nun an die Haustür, deren äußere Schwelle aus Holz ist. Im Nachhinein lief mir noch ein Schauer über den Rücken, was mit dieser kleine Minizunge hätte passieren können und ich dachte, ob warmes Wasser besser gewesen wäre - keine Ahnung, es war ja gut gegangen und schnell zu handeln war sicherlich richtig... Von nun an nahm ich alle metallischen Gegenstände aus der Reichweite der Welpen, was gar nicht so einfach ist. Schubkarren zum Brennholztransport, Spaten zum Welpenhäufchen einsammeln, Schneefräsen, um die „Welpenwiese“ begehbar zu halten – alles stellte diese Gefahr dar.

Ich verfiel fast in eine Metall-Hysterie und dennoch übersah ich einen uns täglich begleitenden Metallgegenstand, den ich auch nicht hätte wegräumen können:

Am nächsten Tag ereilte unsere Nele dasselbe Missgeschick wie dem kleinen Welpen. Sie leckte aus unerfindlichen Gründen an der Bahnschiene, fror an ihr fest und saß dabei mitten auf den Gleisen.

Wieder war keine Zeit für Überlegungen, denn 100m weiter nach Norden macht die Bahnlinie eine Kurve und der unregelmäßig fahrende Güterzug könnte niemals bremsen, wenn er um die Kurve käme, denn er sähe uns viel zu spät. Der Hund musste vom Gleis mit oder ohne Zunge. Wieder wendete ich meinen nun schon erprobten Karateschlag an und es funktionierte ein zweites Mal, ohne Schäden zu hinterlassen. Beeindruckend wie stabil Hundezungen sind…

Inzwischen hat der starke Frost nachgelassen und eine Tauphase lässt den angesammelten Schnee der kalten Wochen vom Dach rutschen. Die Temperaturen um die null Grad sind für unsere Welpen wie Sommerfrische – sie sind den ganzen Tag im Garten verstreut und erkunden die Welt. Auch als heute Mittag plötzlich eine solche Komplett-Dach-Lawine ins Rutschen kam und mit einem Riesenkrach zur Erde fiel. Zeitgleich piepte ein Welpe. Er saß aber zum Glück 10 Meter daneben und hatte sich ziemlich erschrocken. Ich auch und ich war sehr froh, als auf meinen Pfiff alle Welpen vollzählig „antraten“. Nach dem Lawinenabgang fühlte ich mich nun endgültig in Dieter Hallervordens Geschichte von der „Kuh Elsa“ versetzt, aber mit jeder Menge Schutzengeln, die unsere Geschichten alle gut ausgehen ließen.

Mein Wunsch an alle für den nächsten Winter: Passt gut auf Eure lieben Jagdkameraden auf!

KlM-Tidning 2/2015, S.157:

Sind Mädels wirklich besser?

Na, klar sind sie das. Während der Jäger auf Hochsitzen friert oder bei anderen jagdlichen Strapazen leidet, wie es ja nun mal eine echte „Leiden“schaft verlangt, richtet die Frau das Haus gemütlich her, wärmt den Ofen und bereitet ein gutes Essen, um den Waidmann gebührend zu pflegen, der die Familie mit köstlichem Wildbret versorgt.

Wenn die Frau selbst auch auf die Jagd geht, wird ihre Rolle in den seltensten Fällen vom Manne ausgefüllt, vielmehr erledigt sie beide Anforderungen gleichsam spielend und fast unmerklich und wird daher allseits vom männlichen Geschlecht geschätzt.

Kleinere Defizite wie Verständigungs- und Kommunikationsbarrieren zwischen Mann und Frau werden in Kauf genommen für das große Ganze, was eine Frau im Zusammenleben leistet.

Deswegen ist es nachvollziehbar, daß sich Jäger mit einem Weibchen umgeben, welches das Leben an vielen Stellen angenehmer macht, obwohl jeder Mann und jede Frau sicher schon einmal heimlich gedacht haben: Männer und Frauen passen eigentlich nicht zusammen…

Aber wie ist das bei der Auswahl des Jagdhundes?

Warum eine Hündin? Warum kein Rüde?

Was kann eine Hündin, was ein Rüde nicht kann? Bereitet sie das Abendessen? Wärmt sie das Haus und wäscht sie die Wäsche?

Nein, sie liegt vorm Ofen, läßt sich ab und zu einen Napf Hundefutter servieren und wartet sehnsüchtig auf den nächsten Ausflug ins Revier.

Das alles tut der Rüde auch. Nicht mehr und nicht weniger.

Ebenso wie bei Menschendamen nimmt der Jäger sogar ein wenig Zickigkeit und Unpäßlichkeit in Kauf, Stimmungsschwankungen und andere Allüren. Aber was bekommt er als Gegenwert? Mehr als von einem Rüden, soviel mehr, daß er felsenfest nur eine Hündin möchte und sonst nichts? Das verwundert, ließ mich nachdenken und diesen Artikel schreiben. Denn ich war auch ein solcher: „Nur-Hündinnen-Verfechter“. Bis ich mir die Herren der Rasse genauer ansah und ihnen durch zufällige Umstände näher kam.

Was waren meine Vorurteile? Hündinnen sind leichtführiger. Stimmt so nicht. Wer schon einmal eine richtige Kopfhündin sein eigen nennen durfte weiß, wieviel Widerstand in einer Hündin stecken kann. Auf der anderen Seite gibt es leichtführige Rüden, die man nur scharf ansehen braucht, um ihres Gehorsams sicher zu sein.

Hündinnen sind anhänglicher. Stimmt so auch nicht. Alle die das glauben, sollten es dringend einmal mit einem anhänglichen Rüden zu tun bekommen. Die Anhänglichkeit von Hündinnen variiert ebenso wie die von Rüden von Individuum zu Individuum. Die Frage der Anhänglichkeit läßt sich, ebenso wie das erstgenannte Vorurteil, wohl eher über die Mentalität des jeweiligen Hundes definieren.

Mehr Gründe gab es nicht, denn der „Nachteil“ eines Rüden, daß er die Eigenschaft besitzt, ab und zu einmal sein Bein zu heben, was sich in gewissem Rahmen sicherlich erzieherisch lösen läßt, wird durch Hündinnen-spezifische Nachteile dieser Art mehr als wettgemacht.

Wenn ich im Laufe der Zeit, in der ich mit Kleinen Münsterländern zu tun habe, einmal einen sogenannten „Favoriten“ hatte, so war das stets ein Rüde. Nein, ich nenne meine Favoriten in Rücksicht auf all die tollen Rüden, die ich gar nicht kenne, nicht. Aber ich kenne einige, die ich bei meiner ersten Begegnung am liebsten mitgenommen hätte.

Sie hatten Ausstrahlung, waren stark und anhänglich zugleich.

Eine Favorit-Hündin habe ich (außer natürlich meiner eigenen) nicht.

Einmal wollte der Zufall, daß ich einen kleinen Rüden länger als erwartet bei mir hatte und ihm natürlich neben der normalen Erziehung alle erdenkliche jagdliche Prägung mitgeben wollte.

Wir arbeiteten 4 Wochen zusammen, dann war ein perfektes Zu Hause für ihn gefunden und wir mußten uns trennen.

Mein erster Rüde und ich erlebte eine wunderschöne Zeit mit diesem kleinen Kerl, der das war, was ich ja nie wollte: ein Rüde.

Seit dieser Zeit ist nun endgültig meine Zuneigung auf die andere Seite gewechselt und wenn ich eines Tages keine Zuchtambitionen mehr haben sollte, kommen für mich nur noch Rüden in Frage.

Da sich in vielen Familien auch die Frau um den Jagdhund kümmert, könnte es von dieser Seite Vorbehalte und Autoritätsängste geben. Die kann ich zerstreuen, denn der Natur folgend, wird sich der Rüde der Frau gegenüber besonders anhänglich zeigen und diese wird bei entsprechender Konsequenz und Führung keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern feststellen.

Ich stelle also als völlig neutraler, unparteiischer Beobachter J fest: natürlich sind Mädels besser (bei den Menschen). Bei den Hunden wäre mein Urteil ein anderes und es ist doch zumindest einmal nachdenkenswert, warum die tollen Rüden unserer Rasse von so vielen Welpenerwerbern mit Argwohn betrachtet werden.

Mein Slogan für die neue Welpensaison: Mehr Mut zum Rüden!

KlM-tidning 1/2015:

Licht oder Schatten?

Die Prüfungen sind vorbei, die nächsten Termine werfen ihre Schatten voraus. Schatten oder Licht, was wird es werden?

Ein Jahr lang habe ich einen Hund aus meinem A-Wurf auf das herbstliche Ereignis vorbereitet. Unter ihren Wurfgeschwistern war sie diejenige, die hervorstach. Die Erste, die aus der Wurfkiste krabbelte, die Erste, die sich mit 4 Wochen(!) bemerkbar machte, wenn sie mal raus musste, die Erste, die mit 5 Wochen schwamm – völlig freiwillig ohne locken und überreden.

Eine selbstbewusste kleine Hündin, die bravourös die Jugendsuche absolvierte, obwohl sie noch nie zuvor einen Hasen gesehen hatte, fantastisch vorsteht und kein Wasser auslässt, um zu baden.

Es kam der Sommer, die Seen luden zur Wasserarbeit ein und wir übten, schwammen, schossen und apportierten was das Zeug hielt. Die Hündin war begeistert dabei und es war eine Freude mit ihr zu arbeiten. Ebenso leicht fiel ihr die Feldarbeit. Um die Schleppen schwieriger zu gestalten, zog ich sie fast immer durch den Wald – der Hund ging stets wie auf Schienen zum Wild und brachte absolut sicher.

Den ganzen Sommer arbeiteten wir erfolgreich und ich freute mich sehr auf den September mit seiner HZP.

Endlich war es soweit und ich machte mich auf die lange Reise nach Süddeutschland, wo ich wieder ein paar Tage vor der Prüfung willkommen war, um zu üben.

Das Üben an lebenden Enten ist bei uns in Mittelschweden nicht möglich, da wir weder wilde noch lebende Übungsenten haben. Also stand der erste Tag im Zeichen des Wassers und wir spielten das gesamte Prüfungsprogramm zum ersten Mal durch. Schussfestigkeit, Apport, wunderschöne, langanhaltende Suche nach der lebenden Ente mit langem, bildschönem Vorstehen und anschließendem Apport des im Wasser erlegten Vogels – alles kein Problem. Prima. Lediglich ein leichtes Zögern beim Schicken ins Wasser ohne sichtiges Wild konnte man erkennen. Das lag daran, dass ich diese Übung ganz einfach vernachlässigt habe und dem Hund zu Hause erlaubt hatte, den Landweg zu nehmen, wenn ihm dies seine Nase gebot.

Die Feldarbeit danach war tiptop und ich konnte mit dem Tag, also der Generalprobe, mehr als zufrieden sein. Immer noch ersehnte ich den Prüfungstag herbei, denn dieser stabile, nüchtern arbeitende Hund musste auf der Prüfung eine Bank sein. Mit diesem Hund konnte nichts schief gehen … dachte ich.

Am nächsten Tag planten wir noch einmal ein, am Wasser zu üben, aber was war das? Plötzlicher Totalausfall. Vollkommenes Stop, Weigerung, nichts ging mehr… Ich konnte es nicht glauben, aber es war nicht zu ändern: der Hund verweigerte komplett das Wasser.

Auf dem Feld war sie die Alte und arbeitete sehr gut, kaum am Wasser: Ende. Es ging soweit, dass der Hund weg lief, wenn wir ans Wasser kamen und das erste Kommando ertönte. Nun war guter Rat teuer, die Stimmung kippte von jetzt auf gleich, mir schwanden die Nerven – das konnte nicht wahr sein. Es war wahr und alle Versuche, in den verbleibenden Tagen etwas zu retten, waren vergeblich, es wurde nur schlimmer. Ich tat das einzige, was ich vernünftigerweise tun konnte, ich zog den Hund zurück und fuhr fort. Ich spare mir hier die Beschreibung meines Zustandes, jeder Insider kann sich den vorstellen…

In Norddeutschland, als Zwischenstation angekommen, hieß es erst einmal „runter kommen“ und das geht ja bekanntlich am besten durch Hundespaziergänge in der Natur. Der erste Kontakt mit einem größeren See, ließ mich erstarren. Von allen anwesenden Hunden war meiner als erster im Wasser, vergnügte sich im kühlen Nass und schwamm auf den See hinaus. Was soll man davon halten? Sofort erkundigte ich mich nach der nächsten Prüfung, die sollte eine Woche später nur 30 km entfernt in Lübeck stattfinden. Ein paar Telefonate und die Sache war gebongt einschließlich zweier Wasserübungstage. Es war unglaublich wohltuend, welche Hilfsbereitschaft mir auch hier oben im Norden entgegen gebracht wurde. Leider musste ich feststellen, dass meine Hündin, sobald sie wieder prüfungsähnlichen Druck empfand, dicht machte und nun komplett verweigerte. Nicht einmal ihre bombensicheren Schleppen funktionierten mehr. Es blieb nur der erneute Rückzug und die Heimreise mit einer unerledigten Aufgabe im Gepäck.

Aber: neben der unerledigten Aufgabe hatte ich jede Menge Tipps, ähnliche Leidensgeschichten und das gute Gefühl im Gepäck, dass da Menschen sind, die in einem Verband vereint, sich helfen, füreinander da sind, mitleiden und zu einem stehen. Das war bei allem Verdruss ein wertvolles Gut, was ich mit mir heim trug.

Für mich war die Sache vorbei, denn nun war ich wieder fast 2000 km vom Geschehen entfernt und eine erneute Reise zu diesem Zweck, war Dritten wirklich schwer vermittelbar.

Das Problem ließ mich dennoch nicht los, denn der nahende Winter, versprach eine mindestens 6 monatige Frostpause und so konnte ich unmöglich in die Wasserferien gehen.

Täglich zweimal wurde der Hund gewässert, denn ich konnte mir als Grund nur Ungehorsam vorstellen. Auf die Unwilligkeit hin wurde der Druck erhöht. An „Strippen“ durchs Wasser ziehen half nichts, aber ernster und strenger zu werden schon. Kurz und gut: nach einer Woche nahm der Hund jedes Wasser an, auch ohne, dass etwas sichtig darin lag. Einfaches Schicken mit Handzeichen reichte und das in 12 verschiedenen Gewässern. Geschafft, Freude, Zuversicht und die Suche nach einer noch viel späteren Prüfung. Es gab sie. Nun musste gefestigt werden und vor allem: alles so bleiben.

Die erneute Fahrt in den Süden Deutschlands, diesmal in den Südwesten, grenzte ja fast schon an Selbstzerstörung, aber ich war sicher, dass es klappen würde, zu fest saß alles, noch viel fester als beim ersten Mal. Wieder schlug mir Hilfsbereitschaft und Verständnis entgegen, wieder war ich gerührt, dass man in schwierigen Situationen nicht allein gelassen wird.

Ich habe aber auch erfahren, wie viele Probleme andere mit ihren Hunden haben und dass ich durchaus nicht allein bin mit diesem immer wiederkehrenden Prüfungsdesaster.

Zu der bestandenen Prüfung sei nur so viel gesagt:  Zufrieden kann man mit dem Ergebnis nicht sein, aber sie veranlasste mich zu folgenden Gedanken und da ich glaube, dass alles seinen Sinn hat, bin ich sicher, dass auch dieses Abenteuer seine Daseinsberechtigung hat auf dem Weg zu mehr Erfahrung, Erkenntnis und Verständnis für unsere Hunde.

Alle Hundeleute, die mir auf meiner Odyssee zu dieser HZP begegnet sind, haben mir ihre oder miterlebte Schicksale erzählt. Der Spruch: „Wenn Du erst mal so viele Hundeprüfungen gemacht hast, wie ich nicht bestanden habe…“ geistert durch die Szene und bestätigt meine Vermutung.

Erfahrene Hundeausbilder, langjährige Züchter, sogenannte „alte Hasen“ bilden ihre Hunde aus und führen sie auf Prüfungen. Keiner von ihnen geht mit einem Hund zum Prüfungstermin, der nicht alle Anforderungen im Schlaf erfüllen kann. Dennoch passiert auch ihnen das Unerklärliche und auf der anderen Seite werden Erstlingsführer Suchensieger. Was steckt dahinter? Der Hund, der vor einer halben Stunde durch die Prüfung rauschte, apportiert wenig später perfekt die Ente und macht dies auch für den Rest seines Lebens. Was war da los? Der auf Landesebene frisch gebackene Suchensieger vergräbt das Karnickel auf einer internationalen Prüfung, andere schneiden plötzlich an. Niemals zuvor und niemals danach haben sie diese Unart gezeigt. Was fährt in sie?

Ich habe viel darüber nachgedacht und kam zu dem Schluss, dass die Psychologie unserer Hunde ähnlichen Regeln unterliegt, wie unsere. Ein stabiles, freundliches Kind mit guten schulischen Leistungen stürzt in der Schule förmlich ab, wird sogar aggressiv, verändert völlig sein Wesen. Die Gründe liegen meist bei den Eltern. Irgendeine Wesensveränderung bei einer der Bezugspersonen lässt die Psyche des Kindes amok laufen. Was immer ging, geht nicht mehr. Ein Kind hat in der Regel mehrere Bezugspersonen und kann hoffentlich den Ausfall ein wenig kompensieren oder sich mitteilen, aber was macht ein Jagdhund?

Er hat meist nur eine direkte Bezugsperson und er hat mindestens so feine Antennen für Wesensveränderungen derselben, wie ein Kind, vermutlich sogar weitaus sensiblere und umfassendere. Macht also der Rudelführer aufgrund seiner Prüfungsnervosität „schlapp“, bricht für den Hund alles zusammen. Seine Welt gerät aus den Fugen. Es ist zu einfach zu sagen, er nutze die momentane Schwäche des Chefs und ist ungehorsam. Er ist ungehorsam weil nichts mehr so ist wie es war, der Chef sendet alle Signale einer völligen Unpässlichkeit und der Hund, insbesondere der junge ist damit völlig überfordert. Das ist der Grund, dass immer wieder Hunde auf Prüfungen versagen, von denen man es nie gedacht hätte. Wäre es einfach nur Ausnutzen von Schwäche, würde es in weitaus mehr Situationen passieren, z.B. auf der Jagd. Da muss man sich auch auf seinen Hund verlassen und er könnte oft genug mit der zu apportierenden Beute verschwinden, weil der Führer zu weit weg ist, nicht zum Fundort gelangen kann usw. Nein, dort funktionieren gut ausgebildete Hunde, weil auch keiner ihre Welt ins wanken bringt. Alle sind gut drauf, die Dinge sind so, wie sie immer sind: entspannt und normal. Nichts ist so speziell für den Hund, wie die Psyche des Herren auf der Hundeprüfung. Es ist Ungehorsam aus Existenzangst, das behütende Rudel löst sich kurz auf, man muss selbst sehen, wo man bleibt.

All diese Gedanken kamen mir und sie haben mir geholfen, mein Prüfungsdesaster aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wie sonst ist es erklärbar, dass der selbe Hund hier oben in der schwedischen Natur all die Dinge tut und all die Aufgaben spielend und vor allem absolut zuverlässig erledigt, die in Deutschland für einen Bruchteil seines Lebens so schwierig waren und sicher wieder sein würden.

Wie viele ärgerliche Hundeleute habe ich erlebt, die außer sich waren vor Enttäuschung über ihren Vierbeiner, der sie „im Stich gelassen hat“, der sie „hängen ließ“. Sie sprachen von „nie werde ich ihm das verzeihen“ oder „einer Woche kein Futter“. Derbere Ausbrüche und Beschimpfungen, die bei solchen Gelegenheiten zu hören sind, spare ich mir an dieser Stelle. Warum sind wir bei Hundeprüfungen so unendlich emotional, so empfindlich, so verletzlich und reagieren so über?

Hat schon einmal jemand seinem Kind das Abendessen gestrichen, weil es eine 4 in Mathe heim brachte oder es weggesperrt oder ihm vorher angedroht, dass man es erschiessen werde, wenn es die Prüfung nicht schafft. Ja, auch das habe ich bei Hundeleuten gehört. Was ist los mit uns Menschen, wenn es um unsere Jagdkameraden und ihre Prüfungen geht?

Ich kann es nicht erklären, weiß nur, dass es diese verrückte Einzigartigkeit gibt und dass fast alle mehr oder weniger von ihr betroffen sind. Bei besagter letzter Prüfung haben 50% nicht bestanden und einige von ihnen traf ich im Revier, als es schon passiert war. Sie wollten cool wirken, nicht bemitleidet werden, beteuerten, dass ihnen das ja nichts ausmache und es ja nur eine Hundeprüfung sei. Keiner von ihnen war nach der Prüfung im Suchenlokal. Es machte ihnen nichts aus?

Aber eines ist meine Erkenntnis aus dem Erlebten des letzten Herbstes: Wir sind das Problem, nicht unsere Hunde! Natürlich spreche ich hier nicht von Hunden mit echten Mängeln, wie Schussscheue, Wildscheue ect., was in der Regel schnell erkennbar ist.

Diejenigen, die schlecht vorbereitet zu Prüfungen gehen, nehmen die Niederlage in der Regel locker. Es sind diejenigen, die gute und gut vorbereitete Hunde haben, die so sehr enttäuscht und verärgert sind. Aber bitte nie auf den Hund!

Wer schon einmal mit einem Schwips nach Hause kam, weiß, wie sensibel der Hund darauf reagiert. Ein Schwips ist nichts gegen die Alarmglocken, die ein nervöser Prüfling ausstrahlt und die den Hund völlig aus der Fassung bringen.

Als Beispiel noch einmal die Parallele zur Jagd, für die der Hund ja tauglich sein soll und bei der es ja unter Umständen auch stressig zu gehen kann. Wenn Prüflinge zum Richter sagen: „Schießen Sie, ich bin zu nervös“, zeigt das doch den Ausnahmezustand der Situation. Das sagt ein Jäger. Wir kennen alle, die Aufregung bei der Jagd, die dem einen mehr, dem anderen weniger zu schaffen macht, aber all das ist nichts gegen die Aufregung bei Hundeprüfungen oder haben Sie schon einmal bei der Jagd die Waffe weggegeben und gesagt: „Schieß Du, ich bin zu aufgeregt“?

Während des Trainings zur Behebung des Problems war ich konsequent, zielgerichtet, sachlich, führte den Hund und der Hund gehorchte und arbeitete, wie er es auch jetzt wieder tut. Dazwischen war wieder diese „Trunkenheit“, diese „Führungsschwäche“ mit der ein junger Hund nicht umgehen kann. Mir tut mein Hund im nach hinein sehr leid und ich habe alles andere als zornige Gedanken gegen ihn. Ich habe vielmehr das Gefühl, ihn vor solchen Situationen beschützen zu müssen. Ich, sein Halt in der Welt, sein ein und alles, sein Rudel, sein Überlebensgarant. Für mich ist das schwierig, aber allen anderen kann ich nur raten, soviel wie möglich unter prüfungsnahen Bedingungen zu üben. Wie man sonst dieses Thema entschärfen kann, müssen andere überlegen. Die Hunde müssen zeigen, was sie können und was sie nicht können – für eine vernünftige Auslese, das ist wichtig. Aber sie sollten es unbelastet zeigen können, sonst entscheiden eventuell die falschen Kriterien über plus oder minus, Licht oder Schatten.

Ich wünsche allen Hunden für das neue Jahr viel, viel Licht und coole Führer, die versuchen es lockerer zu nehmen, als ich bisher in der Lage war. Glückliches Neues Jahr und Waidmannsheil!

Und wieder endet kein Artikel ohne Dank an alle, die mich unterstützt haben und mir das gute Gefühl gegeben haben, hier hält man zusammen, über Landesgruppengrenzen hinaus. Angefangen im Württembergischen: Danke, Gerhild und Wolfgang Bau und danke, Manfred Stütz und Helmut Kredel. Weiter ging es zu den Hamburgern. Danke Detlef Butz und Ulrich Pabst. Und zum Schluss sogar noch die Pfalz: Danke Ernst Zeimetz und Thomas Kölsch, auch dafür dass Ihr traditionell eine Oktober-Prüfung anbietet, um den „Härtefällen“ wie mir, eine späte Chance einzuräumen. Danke Jacqueline für Deine Tipps und guten Ratschläge.

KlM-tidning 04/2014:

Die Schweden kommen…

In Schweden werden völlig andere Prüfungen durchgeführt als im Heimatland des Kleinen Münsterländers und das liegt vor allem daran, daß der KlM nur einen relativ kleinen Bereich im vom „Deutsch Kurzhaar“ (schwedisch: Vorsteh)  dominierten „Svenska Vorstehklubben“ darstellt. Hier oben werden diese Hunde fast ausschließlich zur Hühnerjagd eingesetzt und die dafür erforderlichen Fähigkeiten werden dann auf den Prüfungen abverlangt. Da ich diese Spezialisierung schade finde und großen Wert auf die Vielseitigkeit unserer Hunde lege und weil dieser Vorstehklub sich sogar vor ein paar Jahren aus dem internationalen KlM-Verband verabschiedet hatte, legte ich den Welpenbesitzern unseres A-Wurfes ans Herz, die Hunde in Deutschland zu führen.

Inzwischen hat der schwedische Verband die Wiederangliederung an den internationalen Münsterländerverbund „KlM-i“ beantragt und wird also hoffentlich bald wieder mit dabei sein. Das ist sehr erfreulich und nach längerer Zeit der erste wichtige Schritt in die richtige Richtung.

Wenn ich also selbst auch in jedem Fall nach Deutschland gereist wäre, um meine deutschstämmige, aber im schwedischen Zwinger „Tranulökarnas“ gezüchtete Hündin zu führen, so rechnete ich nicht damit, dass ich tatsächlich drei weitere Führer von Hunden meines ersten Wurfes für diesen aufwendigen Schritt begeistern könnte. Doch durch die oben genannten Argumente und das erfolgreiche „Ankirren“ mit Aussicht auf eine lehrreiche „Hundewoche“ gepaart mit süddeutscher Gastlichkeit und Kulinarität gelang es mir, 4 Schwedenfamilien für die 2000 km langen Reise ins liebliche Taubertal zu gewinnen.

Die Übungswoche war unabdingbar, da die Hunde in unserem subarktischen Klima völlig andere Vegetationsverhältnisse gewöhnt sind und zur Zeit der Jugendsuchen hier im Norden Skandinaviens in der Regel noch hoher Schnee liegt. Feldarbeit ist also zu dieser Zeit völlig ausgeschlossen und das schon über mehrere Monate hinweg. Hinzu kommt die Tatsache, dass wir im nördlichen Teil des Landes so gut wie keine Hasen haben und so auch das Üben einer Hasenspur unmöglich ist.

Unsere Reise begann also in Schnee und Eis, aber schon im neun Autostunden entfernten Süden des Landes erblickten wir die ersten Frühlingsboten und in Dänemark waren zumindest schon die Birken grün.

Die Übernachtung in Norddeutschland genossen wir in vollen Zügen, die grünen Wiesen erschienen uns wie Fata Morganen, die Möllner Altstadt verwöhnte uns mit köstlichem Essen und Trinken.

Nun waren nur noch die letzten 600 km zu bewältigen und wir wurden für die Strapazen der langen Reise mehr als belohnt. Das Taubertal hielt eine Sonnenwoche für uns bereit und hatte sich für uns in sein schönstes Kleid gehüllt. Der Raps und die Obstbäume blühten, dass es eine Pracht war.

Aber nein, dafür waren wir nicht gekommen. Vom ersten Tag an wurde ein strenges Trainingsprogramm absolviert – es sollte nichts schief gehen an dem großen Tag.

An der Stelle sei erwähnt, dass es auch in der heutigen Zeit noch die verloren geglaubten Enthusiasten gibt und zu dieser leider immer weniger werdenden Spezies gehören der Züchter unserer Zuchthündin und seine Frau, die beispiellos gastfreundlich, hingebungsvoll und überaus kompetent die „Enkel“ des Zwingers und ihre Führer betreuten.

Nach einem Status über den Ausbildungsstand der Hunde, der sehr variierte, wurde sofort mit den ersten Suchen begonnen. Unsere Hunde wussten gar nicht recht, was von ihnen erwartet wurde und begannen erst einmal an dem frischen Bewuchs zu knabbern, denn auch für sie war das satte Grün verführerisch und neu.

Da die Hunde aus einem Sommerwurf stammen, waren sie mit ihren 10 Monaten vergleichsweise jung, aber ich würde dennoch immer wieder einen Sommerwurf machen. Es war herrlich ab der 5. Lebenswoche täglich mit den kleinen Geistern im Revier baden zu gehen, was zur Folge hatte, dass alle Welpen des Wurfes mit 6 Wochen selbstständig schwammen, ohne dass sie mit Tricks ins Wasser gelockt werden mussten. Sie lernten früh das kühle Nass lieben und sind heute allesamt sehr wasserfreudig.

Die ersten Suchen waren also noch etwas holperig und unsicher, aber bald stellte sich Wildkontakt ein und damit war der Bann gebrochen, die Suchen wurden weiträumiger und effektiver.

Mit dem Wildkontakt kamen die ersten Hasenverfolgungen, Laut wurde vernehmlich gegeben und auch erste Hasenspuren konnten gearbeitet werden.

Nach wenigen Tagen wussten die Hunde worum es geht, fast jeder hatte seine Hasenspur absolviert und bei entsprechender Gelegenheit vorgestanden – wir konnten also im Großen und Ganzen zuversichtlich dem Prüfungstag entgegensehen.

Einzig meine Hündin hatte Pech mit den Langohren und fand auf ihren Suchen keinen Hasen. Mal ein Reh mit bildschönem Vorstehen, aber Hase – Fehlanzeige! Leichte Verzweiflung machte sich bereits bei mir breit.

Am Abend vor der Prüfung machte sich der „Chef“ nochmals mit mir auf ins Revier, um eigens für den Pechvogel die letzte Chance zu nutzen, einen Hasen zu finden. Wir fanden ihn ausgerechnet neben der Autobahn, aber viel Wahl hatten wir ja nicht und nun galt es, ihn von der belebten Straße wegzutreiben, um niemanden zu gefährden. Es gelang. Der Hase zog seine Spur über einen staubigen Acker geradewegs von der Autobahn weg in ein entfernt gelegenes Wäldchen. Also: Hase weg, Hund raus und auf die Spur gesetzt. Der Hund arbeitete seine erste Hasenspur souverän trotz des extrem trockenen Ackers, der jeden Satz des Hundes mit einer Staubwolke quittierte.

Der Hund verschwand, ebenso wie vorher der Hase, im Wäldchen, wurde laut, verstummte wieder und dann kam, was nicht kommen sollte: der Hase kam zurück und rannte geradewegs auf die Autobahn zu. Schock bei mir und der einzige Gedanke war: wenn der Hund spursicher arbeitet, dann kommt auch er auf der Spur und dann kann ich trillern. Der Hase lief inzwischen am oberen Rand der Autobahn-Böschung parallel zur Bahn, blieb also im Bewuchs und war zum Glück nicht in den Verkehr geraten. Ich wartete auf der Hasenspur stehend, und nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Hündin exakt auf der Spur im hohen Galopp auf mich zu. Ein kurzes Stoßgebet, ein beherztes Trillern und der Hund rutschte vor Überfahrt noch ein Stück weiter und kam unter mir zum Liegen. „Das sichere Down ist die Lebensversicherung des Hundes.“ Wie oft habe ich das gelesen und gehört! Ich lege sehr viel Wert auf dieses wichtige Kommando. Sicher darin ist meine halbstarke Hündin noch lange nicht, aber als es darauf ankam, hat es geklappt, und ich kann nur den immer wiederkehrenden Satz unterstreichen: „Down ist die Lebensversicherung des Hundes“. Auch wenn man die Nähe zu Autobahnen für derartige Übungen meiden sollte, so man die Wahl hat, haben die meisten deutschen Reviere größere Straßen in der Nähe und wohl fast jeder, der das liest, wird schon einmal um seinen jagenden Hund gebangt haben…

Der Prüfungstag kam und es stieg die Nervosität.

Wir waren die „Schwedengruppe“, so musste nur immer einmal übersetzt werden für alle. Es lief sehr gut, Hasen waren genügend vorhanden, jeder bekam seine Chance und mancher mehrere. Das Revier bei Würzburg war ein Prüfungsschlaraffenland und unsere Hunde konnten alles zeigen, was in ihnen steckt. Zufrieden nahmen wir unsere Bewertungen entgegen, wir waren alle vier etwa gleich im guten Bereich von 66-68 Punkten. Das machte die schwedischen Erstlingsführer, die Beteiligten an der Übungswoche und mich als Züchterin sehr stolz.

Die Schweden, die 4000 km für eine Hundeprüfung gefahren waren, nahmen viele Dinge mit in ihre Heimat: Neben der Urkunde über eine gelungene Jugendsuche ihres Schützlings, die eine oder andere Flasche Tauberwein und vor allem gute Erinnerungen an Begegnungen mit Gleichgesinnten, an deutsche Gastfreundschaft und, wie ich immer wieder hörte, Lobeshymnen an die deutsche Küche.

Ein herzlicher Dank sei hier an den JGV Würzburg für eine erstklassige Prüfung gerichtet und ein besonderer Waidmannsdank gebührt dem Chef vom „Wolfsbau“ Wolfgang Bau und seiner Frau Gerhild, sowie Manfred und Anke Stütz, die sich eine Woche lang den schwedischen Hunden, Hundeführern und ihrem Anhang widmeten und somit diese erfolgreiche Woche des deutsch-schwedischen KlM-Austausches erst ermöglichten.

Nach der Prüfung ist vor der Prüfung – wir kommen bald wieder!